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Jun 27 2010

Lebensfreude durch und mit Musik – Man achte auf die Zwischentöne

Zwischentöne

Was kann Musik, gleich welcher Stilrichtung, mit dem Thema (persönliche) Lebensfreude oder auch einfach nur Glück gemein haben?

“Das ist eigentlich recht simpel”, werden Sie mir jetzt wahrscheinlich antworten. Und in der Tat fühlen wir uns einfach wohler, wenn wir Musik hören, die uns schlicht gefällt. Heute ist es so einfach geworden, seine Musik jederzeit und immer hören zu können. Diese kleinen mobilen Geräte machen es möglich. Kein Vergleich zu dem ersten Walkman, welchen man als Schüler stolz vorzeigte, der jedoch auf Grund einer gewissen Unhandlichkeit schnell wieder zu Hause blieb.
Wenn man sich das heutige Straßenbild betrachtet, sieht man sie immer häufiger – Menschen mit den kleinen Stöpseln im Ohr, welche mit einem kurzen Griff zu einem unscheinbaren MP3-Player fix eine Einstellung verändern oder einen anderen Titel ihrer Sammlung anwählen ohne das lästige Vor- oder Zurückspulen. Und ich gestehe, dass ich mir vor wenigen Wochen ebenso ein solches Gerät zugelegt habe.

Und dennoch – was vermag die Musik in uns auszulösen? Nehmen wir die Feinheiten eigentlich immer wahr, wenn wir uns beschallen lassen?

Jüngst kündigte mir ein guter Freund per Mail an, dass er ein Konzert bei Hannover besuchen wolle, in welcher die Bachsche Kantate “Ich habe genug” aufgeführt werden würde (BWV 82). Seine derzeitige Situation ist von diversen Grabenkämpfen geprägt und er ergänzte in seinem Schreiben, dass er sich in gewisser Weise auf eine vergleichbare Ruhe freue. Und auf den ersten Blick, verkörpert diese Komposition in gewisser Hinsicht eben auch dieses Sehnen nach einem friedlichen Dasein.
Sicher, diese Äußerung kam aus dem Moment heraus und er verband die vermeintliche textliche Aussage mit seiner aktuellen Situation. Nur mir kamen an dieser Stelle Bedenken.

Ausgehend  von der Frage, ob wir uns wirklich immer auf die Musik zur Gänze einlassen und was diese dann in Folge bewirken kann, ist in mir der Gedanke laut geworden, ob wir Musik “nur” noch verkonsumieren, ohne sie wirklich zu verstehen. Ich denke, dass es nicht von Belang ist, von welcher Epoche oder Stilrichtung wir reden.  Denn damals wie heute machen sich Künstler, Komponisten, DJs, Tonschöpfer etc. Gedanken über und um das, was sie kreieren. Nur, hören wir das auch? Nehmen wir es zur Gänze war?

Lassen Sie mich bei dem erwähnten Beispiel meines Freundes bleiben:
Johann Sebastian Bach verfügte nicht nur über eine äußerst klare Vorstellung, was die tonale Dichtkunst anging, sondern er verfolgte mit seinen Werken auch häufig Aussagen, welche in das persönliche weltliche Leben Eingang finden konnten. Und so verhält es sich auch mit dieser Kantate. Nicht die Sehnsucht nach der ewigen Ruhe wird angestrebt, sondern das Verlangen nach dem Leben. Eine Intention, die damals wie heute nichts an ihrer Aktualität verloren hat.

Bach komponierte die Kantate 1727 anlässlich des Kirchenfestes Mariä Lichtmess. Thematisch geht es um den alten Simeon, der Jesus als den Messias erkennt als dieser von seiner Mutter in den Tempel  gebracht wird. Nun weiß der betagte Mann, dass sein Warten ein Ende hat und seine Prophezeiungen wahr werden. Sein Leben ist erfüllt und er kann “mit Freuden sterben”. Um dies auszudrücken, greift Bach tief in die “Trickkiste”, der ihm zur Verfügung stehenden musikalischen stilistischen Mittel. So sind die ersten beiden Arien, von tragender Weite komponiert. Anfangs führt die Oboe einen unnachahmlichen Dialog mit der Solostimme. Es folgt ein Wiegenlied – die zweite Arie -, welche den Charakter des ersten Satzes unterstreicht. Und dann?

Dann geht es fröhlich, ja tänzerisch (3/4tel Takt) weiter. Die dritte Arie ist quasi der Höhepunkt der gesamten Kantate. Hier räumt Bach auf mit dem kirchlichen Klischee, alles sei dunkel, von abwartender Haltung oder gar fremdbestimmt. Er nutzt ganz direkt diese Arie, um zu vermitteln, dass  Hoffnungslosigkeit und Depression nicht gottgegeben sind. Dieser starke, ja extreme Kontrast dieser Arie zu den beiden Ersten ist es, was die Kantate “Ich habe genug” eigentlich ausmacht.

Und genau dies hat mein Freund aus dem Moment heraus außer Acht gelassen. Nicht, weil es ihm nicht aufgefallen wäre. Er konzentrierte sich jedoch, bestärkt durch seine Situation, auf die ersten beiden Arien und den Titel der Kantate – nicht auf das Gesamtwerk.

Man achte auf die Zwischentöne… Wir haben immer die Wahl, uns auf ein einziges Element oder auf mehrere zu fokussieren. Meist ergibt sich bei Betrachtung einer gesamten Szene oder eines ganzen (musikalischen) Stückes ein neues, ein anderes Bild – eine andere Stimmung.

Somit steht (für mich) fest,  dass der Meister des Barock keine Hoffnungslosigkeit, sondern vielmehr Freude und Optimismus verbreiten will. Und damit die Freude auf und an dem Leben – man achte eben auf die Zwischentöne.

Bach setzte mit Werken wie diesen ein Zeichen und den Hinweis, einmal genauer auf die Dinge des Lebens zu achten. Ebenso verhält es sich mit dem “:D-lol -Deutschlands erstem offiziellen Lebensfreudetag”.

Da haben sich Menschen zusammengesetzt und beabsichtigen einen Tag voller Freude, Spaß, guten Ideen und Lebenslust zu initiieren. Schon jetzt gibt es einen Blog, der auf das Ereignis hinweist und alle animieren möchte, sich im Vorfeld, an dem Event selbst und darüber hinaus aktiv einzubringen.

Ich freue mich auf den :D -lol im Frühahr 2011 in Berlin.

Abschließend noch die dritte Arie, der beschriebenen Kantate. Viel Spaß beim Hören – beim Erleben der Freude, der Veränderung der Sichweise.

Weitere Informationen zu Deutschlands erstem offiziellen Lebensfreudetag:

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3 Kommentare

3 Kommentare to “Lebensfreude durch und mit Musik – Man achte auf die Zwischentöne”

  1. [...] Ludger Brenner von den PR-Indianern schreibt über das Thema Filmmusik: Lebensfreude durch und mit Musik – Man achte auf die Zwischentöne [...]

  2. rogeram 14. Juli 2010 um 09:07 2

    schön, wenn man freunde hat mit denen man über musik reden kann. egal ob bach, mahler oder haydn. musik gehört zum usprünglichsten empfinden der menschen. sie ist eine allumfassende, immergültige sprache. von tiefer trauer bis zu himmlischer freude.
    insgesamt und in allen schattierungen. musik ist freund und freude.

  3. Michaelam 29. Oktober 2010 um 10:15 3

    es stimmt schon, wenn Musik heute immer und überall verfügbar ist, dann verhält es sich damit wie mit allem anderen, was immer und überall verfügbar ist. Der Mensch verlernt es zu schätzen. Wozu noch was Wissen, wenn ich Wikipedia habe und wozu noch richtig zuhören, wenn ich es einfach nochmal hören kann…

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