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Mai 26 2010

Mit dem Barden durch Irland

Gods of Neale

Roibeard McElroy auf Spurensuche

Sie wollten schon immer einmal nach Irland? Mit diesem Wunsch stehen Sie nicht alleine da. Kaum ein Land scheint mehr mit Mysterien, Mythen und Geheimnissen verbunden zu sein und zum Träumen anzuregen. Kaum einer, der keine leuchtenden Augen bekommt, wenn er die beeindruckenden Landschaften der Emerald Isle zu Gesicht bekommt – und wer einmal dort gewesen ist, den zieht es immer wieder dorthin.

An der Universität habe ich unter anderem Bekanntschaft mit der Oral Poetry – das ist die mündliche Überlieferung von altem Erzählgut – sowie der Dichtkunst mittelalterlicher Barden und Skalden gemacht. Die wechselvolle Vita des mittelhochdeutschen Dichters Walther von der Vogelweide hat mich sogar dazu inspiriert, einen eigenen Roman über das Leben eines Barden zu schreiben. Nie hätte ich jedoch gedacht, dass es sie wirklich noch gibt – diese Bewahrer der wahrhaft schönen Künste, die in unserem modernen Medienzeitalter wie Relikte aus vergangenen Zeiten anmuten mögen. Doch dann lernte ich Roibeard McElroy kennen – einen echten Barden, Dichter und Schriftsteller, der außerdem als Fremdenführer Einblicke in sein persönliches Dublin und ganz Irland gewährt, die sonst keine Pauschalreise bieten kann. Daher haben wir uns zusammengesetzt – die spurensuchende PR-Indianerin und der Dubliner Barde, der mit seinem unerschöpflichen Wissen über Irlands Geschichte ein echter Fährtenleser der vergangenen und gegenwärtigen Mysterien ist. Und an diesem Treffen möchte ich Sie heute teilhaben lassen …

Roib, Du bist in Irland geboren und lebst auch heute noch dort. Was bedeuten dieses Land, seine Kultur und Sprache für Dich?

Roibeard McElroy: Irlands Geschichte reicht weit in die Vergangenheit zurück und ist geprägt von Schmerzen, Leid und Sorgen. Sowohl die Kultur als auch die Sprache Irlands liegen mir sehr am Herzen – und es stimmt mich überaus traurig, dass die irische Sprache – und damit verbunden das kulturelle Erbe – im Sterben begriffen sind. Die Ur- und Frühgeschichte Irlands ist ein Beweis dafür, dass wir es mit einem mystisches Land zu tun haben, das auch ohne Übertreibung als die Insel der Heiligen und Gelehrten bezeichnet werden kann. Mir ist diese Verbindung sehr wichtig, da sie meiner Meinung nach wesentlich für das Land, seine Kultur, Legend und vieles mehr ist.

Du bist ein überaus kreativer Mensch – kann man denn sagen, dass Irland einen inspirierenden Einfluss auf Dein Schaffen hat?

Roibeard McElroy: Ja und nein. Nein, weil ich sowohl vielen Dingen, die in Irland geschehen sind, als auch der Art, wie sich die Menschen hier verändert haben, mit widersprüchlichen Gefühlen gegenüberstehe. Darüber bin ich nicht besonders glücklich. Die Menschen scheinen sich dessen gar nicht bewusst zu sein, weswegen ich mich mir manchmal wie Joyce oder Beckett vorkomme und mich ein wenig entwurzelt und beklemmt fühle. Doch stets, wenn ich verborgene, heilige Plätze besuche, verspüre ich den starken, inspirierenden Einfluss, den sie auf mich haben. Sie scheinen so eine Art Nährboden für Kreativität zu sein. Ein besonders treffendes Beispiel dafür ist Tara, der legendäre Sitz der irischen Hochkönige im County Meath. Hier verbinden sich Geschichte, Mythologie und Archäologie zu einem gemeinsamen Themenstrang.

Du bist sowohl Dichter als auch Schriftsteller. Worüber schreibst Du am liebsten?

Roibeard McElroy: Über viele verschiedene Themen: Politik, Protest, Spiritualität, Mystik, Apokalypse, Sport, Soziales, Geheimnisse der Vergangenheit, Legenden, Mythen, das Erbe der Barden. Aber wenn ich meine Lieblingsthemen nennen müsste, wären das sicher spirituelle und geschichtliche Themen sowie die Überlieferung der alten Dichtkunst.

Du lebst zwar in Irland, bist aber in der Welt zu Hause. Welche Länder hast Du bisher besucht – und welche haben Dich besonders beeindruckt?

Roibeard McElroy: Außerhalb von Europa bin ich bisher zwar noch nicht gewesen, dafür habe ich diesen Kontinent sehr intensiv bereist, besonders die Iberische Halbinsel, Schottland und Wales. Mein nördlichstes Reiseziel ist Stockholm gewesen, die am weitesten im Osten gelegenen Punkte waren Rumänien und die Ukraine. Besonders fasziniert bin ich von Languedoc in Südfrankreich, dem Baskenland und Galizien, den schottischen Highlands und Transsilvanien.

Gibt es Orte, die einen besonders inspirierenden Einfluss auf Dich haben?

Roibeard McElroy: Inverness/Culloden in Schottland, viele Orte in Irland wie beispielsweise Slieve Gullion, The Burren, die Mourne Mountains, South Mayo und, wie bereits erwähnt, Tara. Natürlich auch Languedoc, ganz besonders das Gebiet um Rennes. Außerdem, wie gesagt, Transsilvanien, das auch als das Land jenseits der Nebel und Schatten bekannt ist. Daneben inspirieren mich heilige Quellen, Megalithen, Schwarze Madonnen sowie Burgen, die im Zusammenhang mit den Tempelrittern und der Gralslegende stehen.

Du lebst in Dublin und kennst diese Stadt wie Deine Westentasche. Außerdem arbeitest Du als Touristenführer. Deine Touren sind allerdings etwas ganz Besonderes und nicht nach dem üblichen Touristeneinerlei gestrickt. Was ist an ihnen denn so besonders?

Roibeard McElroy: Zunächst einmal ist es mein Anspruch, vielfältig und umfassend wie der legendäre halkyonische Horizont zu sein. Das heißt, dass ich nicht nur eine Menge Informationen und Einblicke anbiete, sondern meine Klienten außerdem mit der Rezitation von Gedichten, Liedern und Geschichten unterhalte. Ich denke, dass ich in dieser Form ein einzigartiges Programm biete. Da ich ganz Irland außerordentlich gut kenne – und ganz besonders die versteckten Winkel und Orte – biete ich natürlich auch Führungen durch zahlreiche andere Regionen der Insel an – und damit meine ich nicht die herkömmlichen Ziele, die von jedem Touristen besichtigt werden können. Ich betrachte mich als Fremdenführer durch ganz Irland – meine themenspezifischen Dublinführungen stellt eben nur einen Teil meiner Touren dar.

Im Augenblick schreibst Du ein Buch über Languedoc. Magst Du uns schon etwas darüber verraten?

Roibeard Mc Elroy: Im Jahr 1991 habe ich ein Buch mit dem Titel “The Holy Blood and Holy Gral” gelesen, das von einem Ort handelt, der Rennes-le-Chateau genannt wird. Seitdem bin ich fasziniert von Languedoc, seiner Geschichte und seinem Geheimnis, das lange in die Vergangenheit zurückreicht. 2002 bin ich zum ersten Mal dort gewesen und wurde nicht enttäuscht – die Faszination ist bis heute ungebrochen! Ich habe oft das Gefühl, in einem anderen Leben schon einmal dort gewesen zu sein und betrachte es als meine zweite spirituelle Heimat. Das Buch, das ich schreibe, ist unter anderem eine Ode an Languedoc und daran, wie das Gebiet und das Geheimnis von Rennes mich inspiriert haben. Dies bringe ich in einer Sammlung von Prosa, Gedichten und Geschichten zum Ausdruck.

Gibt es noch andere Projekte, von denen Du träumst und die Du realisieren möchtest?

Roibeard McElroy: Ja, etliche. Unter anderem habe ich gerade diesen Mai gemeinsam mit Tomás Ó Cárthaigh eine Anthologie über Leonard Peltier herausgegeben – mit dem Titel Spirit of Peltier. Des Weiteren plane ich einen Führer über Megalithen in Irland, Außerdem möchte ich eine CD mit meinen Gedichten über Tara herausgeben. Trotz vehementer Proteste ist der Bau einer Autobahn durch dieses geschichtsträchtige Gebiet beschlossen worden. (Anmerkung: Im Jahr 2008 wurde das Areal vom World Monuments Fund in die Liste der 100 meist gefährdeten Kulturdenkmäler aufgenommen, und im Jahr 2009 hat es das Smithsonian Institut auf die Liste mit den 15 sehenswertesten gefährdeten Kulturschätzen gesetzt.)

Ach ja, und ich würde gerne über den Hungerstreik von 1981 schreiben. Ich habe als Kind gehört, wie damals in den Straßen die Mülldeckel als Trommeln verwendet worden sind, was sich unauslöschlich in meine Erinnerung eingebrannt hat.

Roib, ich danke Dir für dieses Interview. Das Buch Spirit of Peltier werde ich demnächst hier rezensieren, worauf ich mich bereits sehr freue. Auch Deine anderen Projekte werden die PR-Indianer im Auge behalten. Wir denken, wir dürfen alle schon sehr gespannt sein.

Nachtrag: Für mich steht fest, wohin mich meine diesjährige Städtereise führen wird … richtig, nach Dublin! Ich habe mich schon mal mit Roib auf ein paar gepflegte Guinness in O’Donoghue’s Pub verabredet und werde natürlich zu gegebener Zeit an dieser Stelle von meinen Irland-Impressionen berichten. Vielleicht haben ja auch Sie jetzt Lust bekommen, Irland auf diese außergewöhnliche Weise an der Seite eines echten Barden zu erkunden …

Keine Sorge, Sie brauchen keinen berittenen Boten schicken, sondern können getrost von den Medien des Informationszeitalters für die Kontaktaufnahme Gebrauch machen. Sie erreichen Mr. McElroy über seine E-Mail-Adresse celticpoet@hotmail.com und/oder telefonisch unter (0035) 38 777 919 79 … auf Englisch, versteht sich!

Go n-éirí on bóthar leat – That the road may rise to meet you – oder mit anderen Worten: Gute Reise!

Shannon

Der Shannon - Flussimpressionen

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