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Mrz 19 2010

Mondspuren

Sind Sie mondsüchtig? Ich gestehe, ich bin es, und wenn andere klagen, dass der helle Schein des Vollmondes sie um den Schlaf bringt, habe ich die entspannteste Nachtruhe des ganzen Monats. Vielleicht, weil der Mond für mich eine Art riesiges Schlummerlicht ist, ich weiß es nicht. Fest steht, ich liebe den Mond, ob er nun zu sehen ist oder nicht, und daher folgt dieser Beitrag mal ganz unkonventionell einigen seiner Spuren …

Frauen sagt man nach – so meine ich einst gelesen zu haben – über einen großen aktiven Wortschatz zu verfügen – nicht nur im Gesprächsverlauf mit ihrer besten Freundin, sondern auch dann, wenn es darum geht, Farben zu beschreiben. Das soll wohl daran liegen, dass sie sich per se schon aus modischen und kosmetischen Gründen mehr mit verschiedenen Farbtönen auseinandersetzen als Männer. Ich halte das zwar für ein Gerücht, denn schauen Sie sich doch nur die Farbunterscheidungen auf Dosen und Flaschen für Lacke und Farben in einem Heimwerkermarkt an – aber darum soll es hier an dieser Stelle gar nicht gehen.

Neulich habe ich bei dem Versuch, einer Freundin das kürzlich erspähte Abendkleid meiner Träume zu beschreiben, nach einer passenden Farbbezeichnung gesucht: Es ist irgendwie blau, aber nicht richtig, silbrig, aber auch nicht richtig, es ist aber auch kein Silberblau … es ist … und da war das Wort dann … mondblau! Damit meine ich die Farbe, in der eine durchgehende Schneedecke in einer wolkenlosen Vollmondnacht erstrahlt – jüngst zu beobachten anlässlich der vergangenen Jahreswende.

Astronomisch betrachtet gibt es im englischsprachigen Raum tatsächlich den Blue Moon, mit dem der eher selten vorkommende zweite Vollmond innerhalb eines Monats bezeichnet wird. Übertragen verwendet man die Redewendung Once in a blue moon, um etwas sehr Seltenes zu beschreiben. Wie schön – nur hoffentlich beschreibt das nicht meine Aussichten darauf, besagtes Kleidungsstück demnächst zu meiner Garderobe zählen zu dürfen.

Was bin ich stolz gewesen auf mein Mondblau! Allerdings vollkommen zu Unrecht. Auch andere Menschen – wer hätte das gedacht – haben sich von dem Anblick des Erdtrabanten ebenfalls zu ganz wundervollen Gedanken und Gedichten inspirieren lassen.

Der US-amerikanische Komiker George Carlin beispielsweise bemerkte in einer seiner formvollendeten Wortspielereien: There are nights, when the wolves are silent and only the moon howls. Bei Frederick L. Knowles übernimmt die Nacht eine tragende Rolle: The night walked down the sky with the moon in her hand. Nathaniel Hawthorne sagt dem Mond mit dem Ausspruch Moonlight is sculpture bildhauerische Eigenschaften nach, und Joseph Conrad vertieft sich gewohnheitsmäßig in die Betrachtung der dunklen Seiten des Seins, wenn er schreibt: There is something haunting in the light of the moon; it has all the dispassionateness of a disembodied soul, and something of its inconceivable mystery.

Wow.

Diese Liste ließe sich nahezu endlos weiterführen und würde trotzdem nicht all den wundervollen Zitaten gerecht, die sich zu diesem Thema finden lassen. Einen meiner Meinung nach besonders poetischen Ausspruch von Joyce Kilmer habe ich allerdings zufällig vergangene Woche ausfindig gemacht und möchte ihn an dieser Stelle auf keinen Fall unterschlagen, da alles darin vorkommt, was das mondsüchtige Herz höher schlagen lässt: Märchen, Dichter, Mondstrahlen – und sogar Gänseblümchen: The fairy poet takes a sheet of moonbeam, silver white; His ink is dew from daisies sweet, his pen a point of light.

Warum ich ausgerechnet heute Nacht über den einzigen Trabanten unseres Planeten geschrieben habe? Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt gerade mal läppische zehn Prozent des zunehmenden Mondes erreicht, und mit dem nächsten Vollmond ist nicht vor dem 30. März zu rechnen. Und mit irgendwas muss ich mir ja bis dahin die schlaflose Zeit vertreiben … Gute Nacht.

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