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Mrz 15 2010

To the Stars: Von Theresienstadt ins All

Es gibt eine Weisheit der nordamerikanischen Ureinwohner, die da lautet: Everything the Power of the world does is done in a circle. The sky is round and I have heard that the earth is round like a ball and so are all the stars.

Alles im Leben ist also miteinander verbunden, und manches Mal auf eine Weise, die uns innehalten und nachdenklich werden lässt.

Was verbindet jene Weisheit mit einem Jungen in Auschwitz, der Raumfähre Columbia und dem Asteroiden 50413?

Während meiner Zeit in der Redaktion eines Geschichtsverlages war ich unter anderem mit Bildrecherchen für Artikel betraut, die sich mit dem Dritten Reich beschäftigten. Als ich mich dort beworben hatte, war Geschichte für mich nicht mehr und nicht weniger als Wissen, das in der Schulzeit erworben und gelegentlich durch Fernsehdokumentationen intensiviert wurde. Auf das, was mich bei der Sichtung von Zeitzeugnissen erwartete, war ich keineswegs vorbereitet, denn plötzlich geschah etwas, was mir bisher eher selten widerfahren ist – Geschichte bekam ein Gesicht. Viele Gesichter, um genau zu sein. Doch eines ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben und durch ein Gespräch, das ich am Wochenende geführt habe, mit einem Mal wieder ins Bewusstsein gerufen worden: das des Petr Ginz.

1928 in Prag geboren, 1944 in Auschwitz getötet. Gerade mal 16 Jahre Leben, in denen der hochtalentierte Petr Zeichnungen, Geschichten und Romane im Stil Jules Vernes schuf. Eine seiner Zeichnungen sollte lange nach Petrs Tod auf eine ungewöhnliche Reise gehen. Sie stellt die Erde, vom Mond aus betrachtet, dar. Eine Kopie dieses Bildes nahm der israelische Astronaut Ilan Ramon im Januar 2003 mit an Bord der Raumfähre Columbia, die, wie sich die meisten von uns sicher noch erinnern, im Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre wegen eines defekten Hitzeschildes explodierte. Alle Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Ein trauriger Kreis, der sich nun vollends geschlossen hatte?

Petr Ginz hatte eine Schwester, die den Holocaust überlebte. Kurz nach dem tragischen Absturz der Columbia erfuhr sie, dass Tagebücher ihres Bruders gefunden worden waren. Seit 2006 ist dieses besondere Zeitdokument auch als deutschsprachige Ausgabe veröffentlicht (Prager Tagebuch 1941-42, hrsg. von Chave Pressburger).

Warum ich ausgerechnet heute darüber schreibe? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil es für alles den richtigen Zeitpunkt gibt. Vielleicht auch, weil Geschichte nichts sein sollte, was in irgendwelchen Archiven vor sich hin staubt. Es gibt kein Abgeschlossensein – und nun kommt die anfangs zitierte indianische Weisheit ins Spiel – alles ist stets miteinander verbunden. Seien es Menschen und ihre Taten, ihre Gedanken und Hoffnungen – oder ihre Träume. Petr hat es übrigens irgendwie dann doch noch in den Weltraum geschafft – zumindest sein Name, denn besagter Asteroid 50413 wurde nach ihm benannt.

Die Suche nach Wahrheit, Liebe und Menschlichkeit kennt keine Grenzen. Sie verbindet alle nach Antworten strebenden Wesen auf dieser Welt. Vielleicht ist heute auch einfach nur ein guter Zeitpunkt, um mal wieder daran zu denken, was uns verbindet – und nicht daran, was uns voneinander trennt.

“Man did not weave the web of life, he is merely a strand in it.

Whatever he does to the web he does to himself.”

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