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Mrz 09 2010

Abenteuer ist sein Job

Dabei hat Jörg Lück weder Archäologie studiert, noch ist er im Besitz einer Kopfbedeckung der Marke Mayser, wie sie der legendäre Indiana Jones zu tragen pflegt – aber auch ein Diplom-Geologe kann auf der Suche nach dem schwarzen Gold Filmreifes erleben.

Ein PR>Indianer kann nun mal nicht aus seiner Haut, weswegen er sich ständig auf Fährtensuche befindet. Da kann ein Plakat in der U-Bahnstation seine Aufmerksamkeit erregen, ein origineller Werbespot oder – wie kürzlich geschehen –eine Zufallsbegegnung während der Happy Hour eines Irish Pubs im Städtchen Burgdorf im Kreis Hannover …

Während ich dabei war, im Thekenbereich diverse Bierspezialitäten aus dem angelsächsischem Raum durchzuprobieren, habe ich nämlich Bekanntschaft mit einem Menschen gemacht, der zwar kein Indianer ist, doch ebenfalls einen interessanten Beruf ausübt: Jörg Lück arbeitet für ein international tätiges Unternehmen mit Stammsitz in Houston/Texas als Service Engineer, kommt weit in der Welt herum und weiß eine Menge zu erzählen von den Orten und Menschen, die er bisher kennengelernt hat.
Weil ich als Sprachwissenschaftler natürlich gar keine Ahnung habe, was man als Diplom-Geologe eigentlich so macht, habe ich Jörg spontan gefragt, ob er nicht Lust auf ein Indianerinterview hätte. Einen großen Teil seiner Erlebnisse hat er auch schon zu Papier gebracht hat, weswegen es uns besonders freut, Jörg Lück zukünftig auf unserem Indianerblog unter der Rubrik kreativWERKstatt persönlich zu Wort kommen zu lassen. Wir meinen nämlich, dass seine Reise- und Erfahrungsberichte einen lebendigen und spannenden Eindruck davon vermitteln, was “to work abroad” wirklich bedeuten kann.

Unseren Lesern wünschen wir jedenfalls schon einmal viel Spaß beim Spurensuchen, Fährtenlesen und über den Tellerrand blicken!

PR>Indianer: Jörg, wir freuen uns sehr darüber, dass Du dir die Zeit nimmst, uns von Dir und Deinem Beruf zu erzählen. Was genau machst Du jetzt eigentlich in Deinem Job?

Jörg Lück: Das ist mit einem Satz nicht einfach zu erklären, aber ich versuch es mal. Ich bin Service Engineer für eine Firma, die Technologie auf Öl- und Gasbohrungen zur Verfügung stellt. Dabei handelt es sich um Messsonden, die in den Bohrstrang eingebaut werden. Diese Sonden geben mir Auskunft über die Lagerstätte, ob ich mich im Öl, Gas- oder Wasser befinde, in welche Richtung ich bohre, wie die Druckverhältnisse etc. sind. Ziemlich komplex. Diese Messsonden programmiere ich und überwache die gemessenen Daten, die mir am Computer in einem sogenannten „Log“ angezeigt werden.

PR>Indianer: Was für eine Ausbildung hast Du durchlaufen, um das zu machen, was Du heute machst?

Jörg Lück: Ich habe Geologie studiert, aber das reicht natürlich nicht. Nach dem Eintritt in die Firma musste ich auf einen 6-wöchigen Lehrgang nach Houston, und zwischendurch wird man immer mal wieder dorthin geschickt. Es gibt auch interaktive Online-Lehrgänge. Das Wichtigste ist aber, selbst aktiv zu sein, sein Ziel zu verfolgen und ständig am Ball zu bleiben.

PR>Indianer: Dein Job ist in jeder Hinsicht ungewöhnlich – nicht nur im Hinblick auf die Orte, an denen Du arbeitest. Auch die Arbeitszeiten sind nicht mit denen eines normalen Bürojobs vergleichbar, richtig?

Jörg Lück: Ganz und gar nicht. Geregelte Arbeitszeiten gibt es off-shore für uns als Service Engineers sicher nicht. Man hat zwar seine 12-Stunden-Schichten (in der Regel von 06-18 und 18-06 Uhr), aber manchmal muss man länger machen. Ich musste mal 2 ½ Tage durchziehen, weil unser Equipment nicht so wollte wie es sollte. Das ist aber eher die Ausnahme. Der Feierabend unterscheidet sich natürlich auch von dem eines Büromenschen. Ich gehe in meine Kabine, er fährt nach Hause. Es gibt auch Zeiten, da ist man stand-by off-shore, z. B. wenn das Bohrloch verrohrt wird etc. Dann macht man mal ein paar Tage einfach gar nichts.

PR>Indianer: Gewöhnt man sich eigentlich jemals an die langen Phasen weg von Daheim oder kostet es immer wieder aufs Neue Überwindung, für so eine lange Zeit von zu Hause fortzugehen?

Jörg Lück: Am Anfang war ich noch richtig begeistert, und es gab immer wieder neue Herausforderungen, weil ich noch recht frisch in dem Job und damals auch gar nicht so lange weg war (2 -3 Wochen). Mittlerweile fällt es mir aber immer schwerer, wieder wegzufliegen. Meine beiden Söhne und meine Frau kennen es zwar nicht anders, aber über die Jahre habe ich dann manchmal genug. Es gab da eine Zeit, da musste ich mich immer wieder in den Hintern treten, aber mittlerweile geht es wieder. Ich denke, solche Phasen sind normal.

PR>Indianer: Im Augenblick arbeitest Du in Aserbaidschan im Kaspischen Meer. Das ist schon ungewöhnlich genug. An welchen anderen Orten bist Du denn sonst noch so tätig gewesen?

Jörg Lück: Ich fing an in der Nordsee in Dänemark und Norwegen, dann war ich in Südafrika, Saudi- Arabien, Russland, Äquatorial Guinea, Kamerun, Kongo, Gabun und Indonesien. Seit Januar 2007 bin ich in Aserbaidschan. Zwischendurch war ich immer mal wieder zu Lehrgängen in Houston.

PR>Indianer: Da sind ja zum Teil auch so genannte Krisengebiete darunter. Hat das Auswirkungen auf Deinen Aufenthalt in diesen Ländern und merkst Du während Deiner Arbeit oder An-/Abreise etwas davon?

Jörg Lück: Na ja Krisengebiete würde ich so nicht sagen. Allerdings war ich off-shore in Äquatorial Guinea, als einige Südafrikaner versucht haben, in Malabo, der Hauptstadt, den Präsidenten zu stürzen. Es waren ein paar Südafrikaner an Bord – die wurden umgehend nach Hause geflogen. Sonst habe ich in den afrikanischen Ländern eigentlich immer bewaffnete Patroillen gesehen, auch Bundeswehrsoldaten in Gabun vor einigen Jahren. Und wenn man bedenkt, dass sich Aserbaidschan mit Armenien im Krieg befindet, ist das Leben in Baku normal. Etwas mulmig wurde uns, als die Russen vor ein oder 2 Jahren in Georgien einmarschiert sind, da dachten alle, Aserbaidschan ist als nächstes dran. Trotzdem bin ich immer froh, wenn ich wieder im Flugzeug in Richtung Deutschland sitze.

PR>Indianer: Was war bis jetzt der Deiner Meinung nach ungewöhnlichste Ort, an dem Du gearbeitet hast und warum?

Jörg Lück: Der ungewöhnlichste Ort … ich glaube, das war der Job in Russland. Das war im Dezember 2001 in der Nähe des Polarkreises. Allein die Anreise war schon abenteuerlich, als der Zug mitten in der Pampa anhielt und ich meinen Arbeitsplatz erreichte. Das war nachmittags gegen 15:00h – stockdunkel und -30 Grad kalt. Das war schon ungewöhnlich.

PR>Indianer: Man sagt ja, andere Länder, andere Sitten. Kommst Du während Deiner Auslandsaufenthalte eigentlich mit den jeweiligen Landesbräuchen in Berührung? Gibt es besonders denkwürdige Erlebnisse in dieser Hinsicht, etwa besondere Missverständnisse?

Jörg Lück: Na ja, mit den Einheimischen komme ich schon in Kontakt – schließlich arbeite ich ja mit denen zusammen und meine Trainees sind immer Einheimische, sei es im Kongo, Kamerun oder Aserbaidschan. In Norwegen wurde ich einmal von einem amerikanischen Companyman, das ist der Vertreter der Ölfirma auf der Bohrinsel, als „fucking German“ beschimpft. Es war gerade „liberation day“ in Norwegen, also der Jahrestag, an dem die Nazis kapitulierten. Das war schon denkwürdig, würde ich mal sagen.

PR>Indianer: Die Teams, mit denen Du arbeitest, bestehen meist aus verschiedenen Nationalitäten und wechselndem Personal. Wie kommen so viele verschiedene Menschen miteinander zurecht, und können sich auch Freundschaften entwickeln?

Jörg Lück: Wir hatten auf einer Bohrinsel in Kamerun den „United Nations Table“. Das hat sich so ergeben, dass dort die meisten Expats (Expatriates, also die ausländischen Fachkräfte), außer den Franzosen, die gerne unter ihresgleichen blieben, zum Essen zusammen kamen. An manchen Tagen saßen dort Amerikaner, Südafrikaner, Engländer, Schotten, Norweger, der Deutsche und einige andere Landsleute beisammen. Man sprach Englisch (außer den Franzosen) und wir hatten viel Spass. Das Gefühl, dass wir alle im selben Boot sitzen, war recht intensiv. Mit einigen bleibt man in Kontakt, und ich kann sagen, dass ich 3 bis 5 Kollegen als bessere Bekannte beschreiben würde. Insbesondere als Mitarbeiter einer Servicefirma, so wie ich einer bin, ist es schwer dauerhafte Freundschaften aufzubauen. Es kann aber schon passieren, dass man sich mehrere Jahre nicht sieht, und dann ist die Wiedersehensfreude immer was ganz Besonderes, und es gibt viel zu erzählen.

PR>Indianer: Hand aufs Herz – Es gibt doch sicher auch eine peinliche Begebenheit, die Dir im Laufe der Jahre widerfahren ist, ein Missverständnis oder so. Falls ja, magst Du davon erzählen?

Jörg Lück: Ja, das war ganz schlimm. Ich bin damals in Equatorial Guinea an einem freien Wochenende mit ein paar anderen von meiner Firma in die Stadt Luba gefahren. Es gab nichts zu tun, und wir wollten mal die Gegend erkunden. In Luba sind wir dann in einer Gruppe von Menschen quasi steckengeblieben, und wie es in solchen Ländern üblich ist, hupten wir uns den Weg mit unserem Pick-Up frei. Wir wunderten uns, warum die Leute uns so merkwürdig ansahen. Bis wir die beiden Männer gesehen haben, die den kleinen, weißen Kindersarg trugen. Wir sind also mitten in eine Beerdigung geraten. Das war ein Gefühl, das ich nicht beschreiben kann – wir wären vor Scham am liebsten im Boden versunken.

PR>Indianer: Oh, Mann, so etwas vergisst man sicher nie! Und was war Dein berührendstes Erlebnis?

Jörg Lück: Heiligabend war das. Wieder in Äquatorial Guinea. Ich bin am Nachmittag, zu der Zeit an dem in Deutschland alles unterm Weihnachtsbaum versammelt ist, hinter unserem Camp ein bischen die Dschungelpiste spazieren gegangen, bis ich zu einem Dorf kam (in dem Dorf habe ich auch immer Kindersachen und Spielzeug von zu Hause verteilt – die glänzenden Kinderaugen sprachen für sich). In der Nähe des Dorfes haben die Bewohner ein kleines Staubecken angelegt, um mit einer Pumpe Wasser ins Dorf zu pumpen. Dort badete an diesem Nachmittag ein Junge, der so etwa zehn Jahre alt war. Ich stellte mich an die Brücke, ca. 20 m entfernt, und sah ihm zu. Es war eine Freude, dem Knirps beim Plantschen zuzugucken. In dem Augenblick dachte ich an meine Jungs und all die anderen Kids, die gerade ihre Geschenke bekamen. Dieser Junge hier hatte nichts, ausser den Frieden, ganz alleine in dem Staubecken zu baden. Schliesslich sah er mich und winkte mir zu. Ich winkte zurück und wünschte ihm in Gedanken schöne Weihnachten, obwohl ich mir gar nicht sicher war, dass er wusste, was für ein besonderer Tag für seine Altersgenossen nur ein paar Tausend Kilometer weiter nördlich war. An den Jungen denke ich oft!

PR>Indianer: Als Du damals in Braunschweig studiert hast, hättest Du dir je träumen lassen, einmal einen solchen Job zu machen? Ist das Dein Traumberuf oder war eher Zufall, dass Du dazu gekommen bist?

Jörg Lück: Ich kann schon sagen, dass es eigentlich genau das ist, was ich schon immer machen wollte. Dass alles so gekommen ist, wie es jetzt ist, habe ich allerdings, wie so vieles, einem Zufall zu verdanken. Da hat sich der Spruch: „am richtigen Ort, zur richtigen Zeit“ bewahrheitet. Traumjob – ich kann mir schwer vorstellen, was anderes zu machen.

PR>Indianer: Wenn Du nochmal vor der Wahl ständest – würdest Du diesen Beruf wieder ergreifen oder Dich eher für einen 8-Stunden-Schreibtischjob entscheiden?

Jörg Lück: 8 Stunden an den Schreibtisch? Ich glaube, das könnte ich nicht. Ich habe ja immer vor Augen, dass ich nach meinen 4 Wochen weg von zu Hause, eingesperrt auf einem rostigen Eimer in der Mitte von Nirgendwo, wieder 4 Wochen frei habe. In den Freiwochen kann ich machen, was ich will. Ich glaube nicht, dass das bei einem 8- Stunden-Schreibtischjob geht. Mir würde die Freiheit fehlen, die ich jetzt habe, wenn ich zu Hause bin.

PR>Indianer: Jörg, hab vielen Dank für dieses interessante Gespräch und dafür, dass Du uns an Deinen persönlichen Eindrücken teilhaben lässt. Das ist beinahe so, wie selbst verreisen. Wir sind schon auf den ersten Deiner Berichte gespannt, der von Deinen Erfahrungen in Aserbaidschan erzählt und in den nächsten Tagen hier auf dem Indianerblog erscheinen wird …

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