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Nov 26 2009

#Augsburg in der Twitterline

Augsburg und seine Bürger

Augsburg und seine Bürger

Das Betreiben eines Blogs ist so eine Sache. Juristisch betrachtet gibt es immer wieder Dinge zu beachten, welche man ohne Weiteres kaum bedenken würde. Erst vor wenigen Tagen urteilte ein Gericht – salopp ausgedrückt -, dass der/die Betreiber sich fremde bzw. Inhalte Dritter zu Eigen machen würden, wenn diese nicht als Solche explizit gekennzeichnet seien oder bei rechtswidrigen Inhalten rechtzeitig (zeitnah) entfernt werden würden. Dass dies bei abgegebenen Kommentaren in einem Blog nicht immer einfach umzusetzen ist, spielte bei der Urteilsbegründung keine Rolle.

Auch ist die Berücksichtigung und ordnungsgemäße Umsetzung der sogenannten Nutzungsrechte ein weites Feld. Und so verwundert es nicht, dass ein junger angehender Blogbetreiber alle Vorsicht walten lassen wollte und im Vorfeld eine Anfrage stellte.

Der 25-jährige Michael Fleischmann wollte gemeinsam mit zwei Freunden bloggen. Inhaltlich sollte sich das Blog mit technischen Themen, dem Web und der Heimatstadt beschäftigen. Die Stadt, in welcher die Drei wohnen, arbeiten und leben ist das touristisch stark frequentierte Augsburg. So lag es nahe, dass man in Verbundenheit zur eigenen Gemeinde einen Domainnamen wählte, welcher den Bezug zur Fuggerstadt herstellte. Die Domain “augsburgr.de” wurde gesichert. Um jedoch alle Bedenken im Vorfeld zu zerstreuen, wurde eine E-Mail an die Stadt geschickt, mit der Frage, ob man unter dieser Adresse auch bloggen dürfe. Wir halten an dieser Stelle einmal fest, dass zu diesem Zeitpunkt nichts unter dem zuvor gesicherten Domainnamen veröffentlicht worden ist.

Nun sollte man annehmen, dass die Stadtverwaltung Augsburgs eine entsprechende Antwort verfasst hätte. Diese kam auch, jedoch in Form einer Kostennote eines Anwaltes in Höhe von € 1980,-. Die Stadt sah sich in der Nutzung ihrer Namensrechte verletzt. Man bewertete dabei die Höhe der Anwaltskosten für angemessen, da der angenommene Streitwert von € 50.000,- eher moderat bemessen sei.

Es kam, wie es im Zeitalter des Web 2.0 kommen musste: Das Ereignis hetzte am 24.11.09 über die Timeline des Microbloggingdienstes Twitter, dass einem ganz schwindelig werden konnte. Das Kind war in den Brunnen gefallen. Augsburg hat seinen ausgemachten Imageschaden, seinen PR-Gau, welcher schwerlich wieder auszubügeln sein dürfte. Auch die Versuche des Oberbürgermeisters Kurt Gribl, das Gesicht der Stadt zu wahren, scheiterten kläglich.

Fälle wie diese gab es in jüngster Vergangenheit häufig. Das Spiel ist immer ähnlich: Die juristische Kanone wird auf eine Person gerichtet, welche kaum in der Lage ist, sich zu wehren. Das Ereignis findet seinen Weg in die Kanäle des Social Web und hier beginnt die schnelle, unkontrollierbare Verbreitung wie auch die Meinungsbildung. Der Mahner wird selber zum Abgemahnten und der Imageschaden ist häufig nicht in Zahlen zu messen. Ob Politiker oder Großkonzern: Sie unterschätzen zu häufig die Geschwindigkeiten des Web 2.0 und können sich zu wenig mit den neuen Umgangsformen anfreunden.

Und dennoch hat der Fall “augsburgr.de” eine neue Qualität erlangt: Vor jeglicher Veröffentlichung stand eine Anfrage. (In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Stadt Augsburg lediglich von eine Kenntnissetzung spricht.) Die Kommune reagiert, wie es viele Menschen von der Ihren auch kennen. Auf dem Postweg, alles andere als persönlich, dem eigentlichen Anliegen des Ausgangsschreibens nicht entsprechend. Der Bürger wird nicht menschlich behandelt, das Anliegen offensichtlich nicht korrekt bewertet.
Anders als ein Konsument, welcher sich kritisch zu dem Produzenten äußert, ist es nun die eigene Gemeinde, welche den Bürger, den Mensch als bösartigen Täter deklariert. Indirekt wird die Ortszugehörigkeit in Frage gestellt.

Will man eine solche Stadt als Tourist besuchen, die mit ihren eigenen Bürgern derart ins Gericht geht?

Die Stadt Augsburg hat seit wenigen Tagen ein Imageproblem: Ein Gewaltiges!
Dabei kann es doch so einfach sein, dass Miteinander und das Verhältnis zur eigenen Zielgruppe zu pflegen. Das Zauberwort heisst heute wie damals einfach nur “Zuhören“.

Bildquelle:
© S. Hofschlaeger / PIXELIO

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Ein Kommentar

Ein Kommentar to “#Augsburg in der Twitterline”

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Ludger Brenner, Ludger Brenner erwähnt. Ludger Brenner sagte: #Augsburg in der Twitterline – Die Stadt Augsburg hat seit wenigen Tagen ein Imageproblem: Ein Gewaltiges! Dabei k… http://ow.ly/164ns2 [...]

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