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Jun 26 2009

eLearning für Senioren – Die 9. Runde der NPO-Blogparade

Autor: Ludger Brenner. Abgelegt unter NPO-Blogparade

eLearning - Praxis und Realität

eLearning - Praxis und Realität

In der 9. Runde der NPO-Blogparade stellt Herbert Schmidt keine Frage.
Vielmehr möchte er Anregungen haben. Anregungen zu einem Thema, welches sicherlich in der gemeinen Welt der Onlinenachrichten, des Twitterns und des Web 2.0 weniger Beachtung findet.
Es geht um das vernachlässigte Thema des eLearnings von Senioren für Senioren. Der Diplom Ingenieur selbst ist Jahrgang 1937 und bei Betrachtung seines Webauftrittes gewinnt man schnell den Eindruck, dass Schmidt keineswegs daran denkt, sich von den Entwicklungen des Zeitgeschehens abhängen zu lassen.
Im Gegenteil: Seine Website (wuedesidn.de) enthält hochinteressante Themen, die gerade auch für jüngere Generationen von großem Wert sind und ganz nebenbei gibt er Tipps für Software und Social Media Tools.

Warum diese etwas langatmige Einleitung?

Schmidt stellt seine Aufgabe in einem – so sollte man meinen – geeigneten Medium: Dem Internet – speziell der NPO-Blogparade. Hier sind die Agierenden alltäglich mit der Thematik des Webs und den Strategien für NPOs oder NGOs konfrontiert, also auch dem eLearning und dem Verbreiten von Wissen über das Netz.
Dennoch gestehe ich freimütig, mich mit dieser zielgruppenspezifischen Thematik, noch nicht tiefer gehend auseinandergesetzt zu haben.
Daher im Folgenden ein Versuch der Annäherung:

Schmidt stellt zunächst zwei Netzwerke vor (ViLe – Virtuelles und reales Lern- und Kompetenz-Netzwerk älterer Erwachsener e.V. und das ZAWIW – Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung, der Universität Ulm) und gibt im Weiteren einen Einblick in bestehende Projekte ( z. B. eLSe eLearning für Senioren, Transnational exchange for active ageing ) und Tools (Moodle, ein CMS basierendes Onlinetool und ILIAS = Integriertes Lern-, Informations- und Arbeitskooperations-System), die thematisch relevant sind.

“Alle reden vom lebenslangen Lernen. Mich interessiert, wie die Praxis aussieht”, so lautet die eigentliche Aufgabenstellung.

Was ist eLearning eigentlich?
An dieser Stelle bemühe ich, der Einfachheit halber, einmal die freie Enzyklopädie “wikipedia.org“. Das Zitierte trifft die Sache sicherlich nicht zur Gänze, gibt aber einen ersten Einstieg in das Thema:
“Unter E-Learning (auch eLearning, englisch electronic learning – elektronisch unterstütztes Lernen), auch E-Lernen genannt, werden – nach einer Definition von Michael Kerres – alle Formen von Lernen verstanden, bei denen digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien und/oder zur Unterstützung zwischenmenschlicher Kommunikation zum Einsatz kommen. Für E-Learning finden sich als Synonyme auch Begriffe wie Online-Lernen, Telelernen, Computer Based Training, multimediales Lernen, Open and Distance Learning, computergestütztes Lernen u. a.” (Der vollständige Artikel ist hier einsehbar.)

Das eLearning bildet in der heutigen Wissensgesellschaft eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für das lebenslange Lernen. Es ermöglicht, die Ressource Wissen für jeden Menschen individualisiert abzurufen und entsprechend seiner Fähigkeiten, anzuwenden und umzusetzen. Unterschiedliche Lebensphasen und Lernsituationen können daher ganz spezifisch durch den Lernenden berücksichtigt werden.

In Ihrem Sachbestandsbericht zum Monitoring des eLearnings aus dem Jahr 2007 kommen die Autoren Simone Kimpeler, Peter Georgieff und Christoph Revermann bei der Betrachtung der Zielgruppe der älteren Menschen zu folgenden grundlegenden Erkenntnissen:
- Erwerb und Erhalt von Selbstständigkeit und Selbstbestimmung sind die wesentlichen Zielsetzungen des Lernens im Alter.
- Dabei geht es weniger um den Neuerwerb von Fähig- und Fertigkeiten sondern eher um den Erhalt vorhandener Kompetenzen. Sie erlangen dabei häufig die Kenntnis eigene Erfahrungen und Wissen weitergeben zu können und/oder diese in ehrenamtlichen Funktionen anbringen zu können.
- Grundvoraussetzung für das Lernen mittels der Neuen Medien im Alter ist die Gestaltung von Angeboten mit barrierefreien Zugängen.

Weiterhin wird erwähnt, dass die Gruppe der älteren Menschen alles andere als eine heterogene ist. Anders als bei jüngeren Generationen, betrachten Senioren einen Computer weniger unter dem Aspekt eines Unterhaltungsgerätes oder des rein kommunikativen Austauschs.
Dennoch/oder gerade deswegen sind die Nutzungsraten der Neuen Medien gerade in der Gruppe der älteren Menschen im Verlauf der letzten Jahre enorm gestiegen. Allerdings ist zu attestieren, dass mit mehr als 73% nicht am Internet partizipierenden Senioren, ein erheblicher Bedarf besteht (Quelle: AGOF e. V./internet facts 2009-I).

Online-Penetration nach Altersgruppen

Online-Penetration nach Altersgruppen

Gerade im Bereich des eLearnings und dem gesteigerten Interesse an mediengestütztem Lernen in der heterogenen Gruppe der älteren Menschen, ist eine vertiefende Ausrichtung des Marktes an die Situation mehr als wünschenswert.

Doch genau an dieser Stelle hakt es.
Dem überwiegend praktischen Nutzungsverhalten älterer User, steht ein spärliches Angebot gegenüber. Zwar gibt es einige Projekte und Netzwerke, wie beispielsweise die von Schmidt angeführten. Diese sind aber in Ihrer Aufmachung als eher konventionell zu werten. Bisher vermitteln alle von mir aufgerufenen Websites zu diesem Thema einen modellhaften Charakter. Eine Überfrachtung von Informationen gleich auf der Startseite der Netzwerke und Projekte ist nicht nur unzeitgemäß, sondern geht darüber hinaus an einem zielgruppenspezifischen Userverhalten vorbei. Einzige Ausnahme hiervon bildet das Onlinetool Moodle, welches sich durch klare Bedienerführung auszeichnet und somit auch ohne Fremdsprachenkenntnisse nutzbar ist.
Darüber hinaus ist kaum erkennbar, welche didaktischen Ansätze die unterschiedlichen Anbieter verfolgen. Modulares Lernen, welches von vielen Senioren in Abstimmung ihres Alltags gerne gewählt wird, ist häufig eine Ausnahme. Die konzeptionelle Gestaltung der Angebote in ein integratives, übergreifendes Präsenzangebot wird ebenfalls nur vereinzelt aufgeführt. Hervorhebenswert ist, dass bei vielen Websites mit universitärem Hintergrund, weiterführende Unterrichtsmaterialien in Form von Druckmitteln bzw. als elektronische Speichermedien ergänzend bereitgestellt werden.

Neben dem Faktor des Lernens und der Weiterverbreitung von Wissen, scheint darüber hinaus übersehen zu werden, dass ebenso ältere User ein gewisses Ansinnen nach Unterhaltung (Edutainment) und Emotionalität haben. Eine (sinnvolle) Verbindung dieser Elemente, wie es schon auf entsprechenden Portalen für Jüngere gegeben ist, scheint sich in diesem Bereich vorerst nicht abzuzeichnen.
Offensichtlich scheint eine Vermarktung, themen- und userspezifischer Inhalte für Senioren bisher nicht weitergehend angedacht worden zu sein. Da es sich hier jedoch in absehbar kurzer Zeit (demographischer Faktor), um eine stark steigende Zielgruppe handelt, sollte neben den finanziellen Hintergründen der Refinanzierung, die entsprechende Ansprache und das Marketing solcher Angebote überdacht werden.

Bisher entsteht vielfach der Eindruck, dass Contentanbieter das eLearning der Gruppe der älteren Menschen einfach nicht zutrauen oder, dass diese keine Freude an der Vermittlung von Wissen über diesen Weg hätten. Nur so ist es zu erklären, dass diverse Portale voraussetzen, dass die Nutzung derselben durch learning by doing zu erfolgen hat.
Die Idee, ein (virtuelles) tutorgestützes Contentmanagement zu errichten, habe ich aber bisher bei allen besuchten Anbietern vermisst.

Fazit:
Der Markt des eLearnings für die hetorogene Gruppe der Senioren (obgleich dieser Begriff nicht einheitlich definiert ist, so wird er in vielen Studien für die Generation 60+ verwendet) ist alles andere als erschlossen zu betrachten. Während sich die meisten Angebote im Internet und den angeschlossenen Medien an jüngere Menschen richtet und im Wesentlichen über Social Media Tools eruierbar sind, finden diese für ältere Menschen bis heute keine nennenswerte Beachtung. Das mag unter anderem daran liegen, dass es bisher keine aufschlussreichen Erhebungen über das Nutzerverhalten von Senioren gibt. Ebenso ist die Zahl von spezifischen Communites im Netz im Vergleich zu denen, die jüngere User ansprechen wesentlich geringer. Die Nutzung der Geräte und der bisher bereitstehenden Onlinetools/Portale setzt voraus, dass Ältere, welche erst spät oder noch gar keine Berührung mit diesen Medien hatten, zunächst durch tutorgeführte Präsenzveranstaltungen an die Thematik herangeführt werden. Das Interesse am eLearning ist nicht nur Bestandteil des lebenslangen Lernens, wie es von einer Wissensgesellschaft gefordert wird, sondern es entspringt vielmehr dem wachsenden Bedürfnis älterer Generationen, sich im sozialen Umfeld selbstständig, frei und freizeitorientiert zu bewegen. Die Angebote hierfür sollten den älteren Nutzern daher besser entgegenkommen. Stichworte hier sind: Barrierefreiheit, altersgemäße Endgeräte, konzeptioneller Aufbau, verbesserte Zielgruppenansprache, übergreifendes Wissensmanagement, didaktischer (modularer) Aufbau der Wissensinhalte, selbsterklärende Bedienerführung etc.

Im Folgenden noch einige Angebote, welche wertungsfrei für das persönliche Entdecken aufgelistet sind:

- Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (KBE)
- AVDS e. V., Akademischer Verein der Senioren in Deutschland
- Universität des 3. Lebensalters = Bildungsinstitution an der J.W.Goethe-Universität
- FIM NeuesLernen = Institut für Lern-Innovation
- SeniorenNetz Erlangen

Quellenangaben:
- Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)/TAB-Arbeitsbericht, Nr. 115 “Zielgruppenorientiertes eLearning für Kinder und ältere Menschen

- wikipedia.org

Bildquellen:
- Online-Penetration nach Altersgruppen, AGOF e. V., internet facts 2009-I

- © Rainer Sturm / PIXELIO

In der 9. Runde der NPO-Blogparade stellt Herbert Schmidt keine Frage.
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Im Gegenteil: Seine Website (wuedesidn.de) enthält hochinteressante Themen, die gerade auch für jüngere Generationen von großem Wert sind und ganz nebenbei gibt er Tipps für Software und Social Media Tools.

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